Der Tipp vom Sommelier

Es gibt so manche Weine, die wollen einem einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen. Im positiven Sinne, versteht sich. Und wenn man bedenkt, das man als Sommelier so um die 1500 Weine im Jahr verkostet, ist es für einen Wein eigentlich eine schwere Aufgabe, dort besonders herauszuragen.

Aber der Escolma und der A Teixa vom Weingut Vina de Martin, dessen Besitzer Luis Anxo ist, sind solche Weine. 

Wie im jeden Jahr, so war ich auch im letzten Jahr auf der Weinfachmesser Pro Wein in Düsseldorf. Die weltgrößte ihrer Art. Traditionell findet sie immer von Sonntag bis Dienstag statt, aber seit geraumer Zeit gibt es auch sehr interessante Vorveranstaltungen am Samstag. Diese habe ich dann auch wahrgenommen. Zum Glück, denn auf der Bio Messe habe ich dann eben Luis Anxo kennengelernt.

Ein sympathischer, eher zurückhaltender Menschentyp, mit einer sehr angenehmen Aura.

Seit nunmehr 28 Jahren „macht er in Wein“, wie es so schön heißt. Studiert hat er Önologie und Philosophie und hätte damit auch einen anderen Beruf aufgreifen können. Hat er aber zum Glück nicht.

Da er in Arnoia, einem kleinen Dorf in Galicen - im Norden von Spanien -  aufgewachsen ist, hat er sich mit seinem Weingut dort auch niedergelassen, bzw. es vom Großvater übernommen. Hier kennt er sich aus wie kein zweiter und er weiß, wo die besten Weinparzellen sind, welche Trauben hier am besten wachsen und wie die Weinfelder bearbeitet werden müssen. Dabei bearbeitet er seine 5 Hektar Weinparzellennach nach biodynamischen Grundsätzen und versucht die Natur möglichst wenig zu beeinflussen, sondern das Beste aus ihr rauszuholen. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen, wenn man bedenkt, dass es an die 100 kleine Parzellen sind, die in und um Arnoia liegen, die er sein eigen nennt. Das kompliziert die Arbeit um einiges.

Hier wachsen hauptsächlich gebietstypische Trauben, wie Treixadura, Lado, Ferrol und Godella, die er zu voluminösen, langlebigen Weinen ausbaut.

Eben diese Passion, seine langjährige Erfahrung und die Besonderheit der Trauben, all dies findet sich in seinen Weinen wieder.

Und deshalb sind sie mir nicht mehr aus dem Kopf gegangen. So wollte ich denn unbedingt Luis Anxo und sein Weingut besuchen. Das ich dabei den „Honneymoon“ von meiner Frau und mir dieses Jahr im Januar dafür genommen habe, war die erste Eheprobe. Angedacht war, die Flitterwochen in Portugal zu verbringen, doch dann versagte das Navigationssystem und mein Orientierungssinn und ehe es meine Frau mitbekam, waren wir in Arnoia auf dem Weingut Vina de Martin. Nur das ich auch schon ein Hotel in der Nähe gebucht habe, hätte sie stutzig werden lassen können.

Aber nachdem wir einen Kellerrundgang gemacht hatten und die Weine von Luis Anxo probiert haben, hätte Sie mir sowieso alles verziehen.

Der A Teixa besteht hauptsächlich aus den lokalen Trauben Treixadura, Godello und etwas Albarino. Dabei werden keine fremden Hefen für die alkoholische Gärung genommen, sondern dies gänzlich spontanvergoren vorgenommen. Zusätzlich verbringt der Wein noch gut ein Jahr auf der Hefe und noch ein weiteres in der Flasche, um dann optimal sich dem Kunden zu präsentieren: Vollmundig und dennoch mit einer feinen Struktur versehen, facettenreich, fruchtig mit einem feinen Schmelz und lange anhaltend. Einfach ein Wein, den man getrunken haben muss. Wenn man ihn denn bekommt, denn es werden nur 3.000 Flaschen davon produziert. 200 habe ich ihm abreden können.

Der Escolma, was so viel wie Selektion bedeutet, besteht hauptsächlich aus der Treixadura Traube, die auf Granitböden gewachsen ist. Diesen Wein produziert Luis Anxo nur in den absoluten Top Jahren. Wieder mit Spontanvergärung, wieder über ein Jahr auf der Hefe liegend, in Barrique ausgebaut und dann aber für lockere 36 Monate in Flaschen liegend. Erst dann darf sich der Weinliebhaber darauf freuen, ihn dann endlich zu genießen.

Wenn er denn zu haben ist.

Denn er produziert nur wenig und er ist beinahe genauso schnell ausverkauft wie die Konzerte von Billy Joel. 120 Flaschen haben wir bekommen. Danke meiner Frau, die sich in den Escolma verliebt hat. Soviel zu den Flitterwochen!

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